HABITABLE

Micro-Credentials in Europa

Micro-Credentials werden in ganz Europa zunehmend als flexible Möglichkeit anerkannt, Kompetenzen zu erwerben, zu validieren und nachzuweisen, insbesondere im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung (VET). Sie sind besonders relevant für:

  • I-VET-Lernende, die eine berufliche Erstausbildung abgeschlossen haben und in den Arbeitsmarkt eintreten
  • C-VET-Lernende und Fachkräfte, die sich weiterqualifizieren, umschulen oder bereits erworbene Kompetenzen validieren lassen möchten

Durch die Unterstützung kurzer, zielgerichteter Lernerfahrungen ergänzen Micro-Credentials formale Qualifikationen und tragen dazu bei, Kompetenzlücken und sich wandelnde Anforderungen des Arbeitsmarktes zu bewältigen.

Der europäische Kontext

Auf europäischer Ebene sind Micro-Credentials ein wichtiges Instrument zur Unterstützung von:

  • lebenslangem Lernen und kontinuierlicher beruflicher Weiterentwicklung
  • dem grünen und digitalen Wandel
  • stärkeren Verbindungen zwischen Bildung, Ausbildung und Beschäftigung


Sie ermöglichen flexiblere und modularere Lernwege, die es Einzelpersonen erlauben, Kompetenzen schrittweise aufzubauen und diese strukturiert und transparent nachzuweisen.

Dies ist besonders relevant im VET-Ökosystem, wo sich sowohl Erst- als auch Weiterbildungswege zunehmend an sich rasch verändernde sektorale Anforderungen anpassen.

Europäische Instrumente und Initiativen

Mehrere europäische Instrumente und Initiativen unterstützen die Entwicklung, Transparenz und Übertragbarkeit von Micro-Credentials in ganz Europa.

Europass

Europass ist eine europäische Plattform, die Einzelpersonen dabei hilft, ihre Kompetenzen, Qualifikationen und Lernergebnisse klar und standardisiert darzustellen.

Sie ermöglicht es Nutzern:

  • ein persönliches Kompetenzprofil zu erstellen und zu verwalten
  • Nachweise zu speichern und zu teilen
  • auf Lern- und Karrieremöglichkeiten zuzugreifen

European Digital Credentials for Learning (EDC)

Ein Micro-Credential bezieht sich auf den Nachweis der Lernergebnisse, die ein Lernender nach einem geringen Lernumfang erworben hat, während sich ein digitaler Nachweis auf das Format bezieht, in dem diese Leistung ausgestellt und präsentiert wird.

In diesem Zusammenhang fördert die Europäische Kommission die Verwendung von European Digital Credentials for Learning (EDC) als sicheres und interoperables technisches Format für die Ausstellung von Micro-Credentials.

Die European Digital Credentials Infrastructure (EDCI) ermöglicht es Organisationen:

  • Nachweise in einem verifizierbaren digitalen Format auszustellen
  • Authentizität und Vertrauen durch elektronische Signaturen zu gewährleisten
  • Lernenden zu ermöglichen, Nachweise einfach in ganz Europa zu speichern und zu teilen


Diese Nachweise sind ausgerichtet auf Lernergebnisse, EQR-Niveaus und standardisierte Metadaten (ELM-basiert)

European Learning Model (ELM)

Das European Learning Model (ELM) ist ein gemeinsames europäisches Datenmodell, das eine standardisierte Beschreibung von Lernen, Qualifikationen und Nachweisen ermöglicht.

Es ermöglicht:

  • die Verwendung einer gemeinsamen semantischen Struktur für Lerndaten
  • Interoperabilität zwischen Systemen über Ländergrenzen hinweg
  • konsistente Beschreibung von Lernergebnissen, Qualifikationen, Akkreditierungsprozessen und Nachweisen


Das ELM wird als technische Grundlage für die European Digital Credentials Infrastructure verwendet und ermöglicht es, Nachweise in ganz Europa auf konsistente Weise auszustellen, zu teilen und anzuerkennen.

Durch die Unterstützung der Dateninteroperabilität trägt das ELM bei zu:

  • Transparenz von Qualifikationen
  • grenzüberschreitender Anerkennung von Kompetenzen
  • Abstimmung zwischen Bildung und Arbeitsmarktanforderungen

Diese Instrumente tragen dazu bei, Transparenz, Übertragbarkeit und Vertrauen bei der Anerkennung von Kompetenzen über Ländergrenzen hinweg zu verbessern

Warum Micro-Credentials wichtig sind

Micro-Credentials bieten praktischen Nutzen im gesamten VET-Ökosystem:

  • Für I-VET-Lernende:
    Sie unterstützen den Übergang in den Arbeitsmarkt und helfen, spezifische Kompetenzlücken zu schließen
  • Für C-VET-Lernende und Fachkräfte:
    Sie ermöglichen kontinuierliche Weiterqualifizierung, Umschulung und Anerkennung früheren Lernens
  • Für Bildungsanbieter und Organisationen:
    Sie bieten flexible Möglichkeiten, zielgerichtete Schulungen zu gestalten, die auf reale Bedürfnisse abgestimmt sind
  • Für Arbeitgeber:
    Sie helfen, relevante Kompetenzen in der Belegschaft zu identifizieren und zu validieren


In diesem Kontext trägt das Micro-credentials Certification Centre (MIC) zu einem gemeinsamen, sektororientierten Ansatz für die Validierung und Anerkennung von Kompetenzen im Habitat-Sektor bei.

Micro-Credentials in HABITABLE-Ländern

Die Entwicklung und Anerkennung von Micro-Credentials variiert von Land zu Land. Innerhalb des HABITABLE-Konsortiums existieren unterschiedliche Systeme, an denen sowohl VET- als auch Hochschuleinrichtungen sowie öffentliche Behörden beteiligt sind, die für Zertifizierung und Akkreditierung zuständig sind.

SPANIEN

SPANIEN

In Spanien werden Micro-Credentials sowohl über Hochschul- als auch VET-Systeme entwickelt:

  • Universitäten stellen Micro-Credentials im Rahmen des Plan de Microcredenciales Universitarias aus, der an europäische Empfehlungen angepasst ist
  • Im VET-System:
    • Der staatliche Arbeitsdienst SEPE stellt offizielle Certificates of Professionalism aus
    • Das Nationale Institut für Qualifikationen INCUAL definiert nationale Qualifikationsstandards
    • Kompetenzen können über das Verfahren zur Bewertung und Akkreditierung von Kompetenzen PEAC (Validierung von Berufserfahrung) anerkannt werden


Micro-Credentials sind in der Regel modular, stapelbar und an EQR- und ECTS-Rahmen ausgerichtet.

PORTUGAL

PORTUGAL

In Portugal sind Micro-Credentials und Schulungsprogramme sowohl mit VET- als auch Hochschulsystemen verknüpft:

  • Die Generaldirektion für Beschäftigung und Arbeitsbeziehungen DGERT akkreditiert private Bildungsanbieter
  • Universitäten und öffentliche Einrichtungen zertifizieren Schulungen intern unter dem Bildungsministerium
  • Micro-Credentials sind an EQR-Niveaus und ECTS-Punkten ausgerichtet (typischerweise 1–3 ECTS)


Die Nationale Agentur für Qualifikationen und berufliche Bildung ANQEP (als Nationales Europass-Zentrum) unterstützt die Integration von Micro-Credentials in Europass und das European Digital Credentials-System.

ÖSTERREICH

ÖSTERREICH

In Österreich werden Micro-Credentials hauptsächlich im Rahmen von Hochschul- und VET-bezogenen Initiativen entwickelt:

  • Universitäten können Micro-Credentials durch Selbstakkreditierung ausstellen
  • Das System wird vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung unterstützt
  • Micro-Credentials folgen:
    • definierten Lernergebnissen
    • ECTS-basiertem Arbeitsaufwand
    • Qualitätssicherung, die an europäische Standards (ESG) angepasst ist


Pilotinitiativen erkunden auch die Integration in die European Digital Credentials Infrastructure.

GRIECHENLAND

GRIECHENLAND

In Griechenland sind Micro-Credentials sowohl mit VET- als auch Hochschulsystemen verknüpft:

  • Die Nationale Organisation für die Zertifizierung von Qualifikationen und Berufsberatung EOPPEP ist für VET und nicht-formales Lernen zuständig
  • Die Hellenische Behörde für Hochschulbildung HAHE überwacht die Akkreditierung im Hochschulbereich
  • Die Zertifizierung erfordert:
    • definierte Lernergebnisse
    • Arbeitsaufwand (ECTS oder Stunden)
    • Ausrichtung an EQR/NQR-Niveaus
    • gültige Bewertungsmethoden


Griechenland verfügt über ein vollständig funktionsfähiges Europass Digital Credentials-System, das die Ausstellung und Verifizierung von Micro-Credentials ermöglicht.